Linienspiel
Linienspiel

Linienspiel

Wohnen im Passivhaus-Standard

Planung und Bauleitung, Innenarchitektur: fabi architekten bda
Mitarbeit: Petra Beer
Statik: Orthuber und Partner, Regensburg
Energiestandard: KfW 40 Plus und Passivhaus-Standard nach PHPP
Haustechnik: Modullierte Luft-Wasser-Wärmepumpe 3-10 kW, Pufferspeicher 1 cbm, PV-Anlage mit Batteriespeichersystem (Sp. kapazität 10 kWh)
Kaminofen mit Kesselaufsatz (Wärmeabfuhr in Pufferspeicher), Nennleistung 12 kW
Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Luft-Erdwärmetauscher zur Vortemperierung und Wärmerückgewinnung
Planungszeit LPH1-4: November 2015 – November 2016
Planungszeit LPH 5: März 2017 – Oktober 2017
Bauzeit: November 2017 – April 2019
Wohnfläche: 214,00 qm
Grundstücksfläche: 992,00 qm

Eindrücklich, dabei nicht aufdringlich, unprätentiös in der Großform, dabei durchgestaltet bis ins kleinste Detail – auch auf dieses Wohnhaus einer fünfköpfigen Familie trifft die oft bewährte Charakteristik der Konzepte von fabi architekten zu. Südlich von Regensburg galt es, den zweigeschossigen Entwurf in eine neu entstehende Wohnsiedlung einzufügen. In so dezenten wie markanten Grau- und Betontönen entstand ein schnörkelloser Baukörper mit flach geneigtem Satteldach.

Tief in die Fassade eingeschnittene Fensterbänder betonen die Horizontale, ihre heterogenen Formate bringen weitere Dynamik ins Spiel. Auf die Spitze getrieben wird die stringente Linienführung von der schlanken Ansichtskante der fliegenden, ums Eck greifenden Terrassenüberdachung in Sichtbeton. Ergänzt wird die große Geste subtil und filigran durch die ebenfalls horizontal orientierte Besenstrichstruktur des Fassadenputzes.

Im Inneren findet die Fassadengestaltung ihre natürliche Konsequenz in Panoramablicken, deren Beschnitt in der Höhe die Weite nochmals betont. Einen harmonischen Ausgleich bilden vertikal ausgerichtete Akzente, mal monolithisch beim Kamin, mal feingliedrig in der prägnanten Maserung der geräucherten Eichenholzoberflächen mehrerer Einbaumöbel.

Auch die Räume selbst nehmen das kontrastierende Spiel der Linien auf: der sich über die gesamte Hausbreite erstreckende Wohn-Essraum mit Kücheninsel steht ebenso für die Horizontale wie die einläufige, beidseits geschlossene Treppe. Ein schmaler, jedoch bis unter den First reichender Luftraum im Zentrum des Hauses bildet den vertikalen Kontrapunkt.

Im Erdgeschoss mäandrieren der Eingang und die verschiedenen Bereiche des Wohnraums fortlaufend und offen um eingestellte Kuben, die Nebenräume und den Kamin beherbergen. Darunter auch ein vollwertiges Bad und mit dem Büro ein potentielles Schlafzimmer – so stehen bei Bedarf alle wichtigen Wohnräume auf der Eingangsebene zur Verfügung. Ein Geschoss darüber legt sich die helle Erschließungszone im Winkel um das Elternschlafzimmer mit Bad. An der westlichen Giebelseite wurden die drei Kinderzimmer aufgereiht, die ebenfalls über ein eigenes Bad verfügen.

Bestens ins Bild passt auch die ruhige, harmonische Wahl der Materialien, die allesamt keiner flüchtigen Mode entspringen. Auch sie spielen mit Kontrasten, in diesem Fall aus hell und dunkel, warm und kühl, natürlich und industriell: hellem Natursteinboden im Erdgeschoss steht eine Decke aus Sichtbeton-Fertigteilen gegenüber, glatt weißen Wänden dunkle Holzeinbauten und Dielenboden im Obergeschoss.

Ergänzt werden die Innenräume durch einen dreiseitig umschlossenen Gartenhof mit Terrasse und Wasserbassin. Die Doppelgarage und eine zum Haus leitende Sichtbetonwand schirmen auf diese Weise den Garten vom Straßenraum ab – auch hier wurde der Entwurf mithin zu Ende gedacht bis ins Detail.

Johannes Kottjé