Logo der fabi architekten bda PartGmbB
Oids Herz – neis Lebn
Oids Herz – neis Lebn

Oids Herz – neis Lebn

Sanierung denkmalgeschütztes Wohn- u. Geschäftshaus

Auftraggeber: Gerl Immobilien, Straubing
Planung, Bauleitung: fabi architekten bda
Mitarbeit: Verena Gruber, Hanna Markgraf
Statik: Wagner Ing.Ges.mbH, Bruckberg
Bauphysik: IBN GmbH, Ingolstadt
Bauzeit: März 2024-Jan. 2026
Wohnfläche: 720,00 m² mit 13 WE – Geb.Kl. 5
Gew. Nutzfläche: 450,00 m²

Inmitten der Straubinger Innenstadt prägt das denkmalgeschützte Bürgerhaus in markanter Ecklage seit dem 15. Jahrhundert das historische Stadtbild. Der dreigeschossige Schopfwalmdachbau mit Ziergiebel wurde 1918 nach Osten erweitert und erhielt eine neubarocke Fassade. Über die Jahrhunderte spiegeln sich die vielfältigen Nutzungen vom Gasthaus über Wohn- und Bankgebäude bis hin zum Wohn- und Geschäftshaus in der Architektur wider und verleihen dem Haus seine besondere Identität.

Mit der aktuellen Sanierung wurde die historische Substanz behutsam gesichert und zugleich in hochwertige, zeitgemäße Wohnräume und im EG in Gewerbenutzung verwandelt. In den Obergeschossen sowie im Dachgeschoss entstanden 13 Wohnungen mit einem vielseitigen Größenspektrum. Während die Einheiten in den ersten beiden Obergeschossen differenziert zugeschnitten sind, nimmt das Dachgeschoss eine besondere Stellung ein. Eine großzügige Wohnung erstreckt sich über die gesamte Ebene und macht die räumliche Qualität des Dachraums unmittelbar erfahrbar. Die Außenfassade wurde denkmalgerecht instandgesetzt. Fehlstellen im Stuck wurden ergänzt, profilierte Gliederungen geschärft und die neubarocken Elemente von 1918 sorgfältig aufgearbeitet. Ein Innendämmputz von 60 Millimetern verbessert den Wärmeschutz, ohne die Straßenansicht zu verändern. Alle Fenster wurden erneuert und harmonisch in die bestehende Öffnungsgestaltung eingefügt. Das Hauptdach erhielt eine neue Eindeckung. Die neuen Gauben fügen sich zurückhaltend in die Dachlandschaft ein und sorgen für eine natürliche Belichtung der Dachwohnung.

Die Konstruktion des Dachstuhls wurde sorgfältig ertüchtigt. Die historischen Balken wurden mittels Trockeneisstrahlen freigelegt und aufgearbeitet. Punktuelle Verstärkungen sichern die Tragfähigkeit und bewahren den ursprünglichen Charakter der Holzkonstruktion.

Im Innenhof wurde die Erschließung des Nebengebäudes neu geordnet. Ein Laubengang im zweiten Obergeschoss verbindet die Wohnungen klar und funktional mit dem Bestand. Ein daran anschließender Balkon sowie eine Dachterrasse schaffen private Außenräume, so wird der Innenhof zu einem ruhigen Rückzugsort im dichten Gefüge der Innenstadt.

Im Inneren wurde die Grundrissstruktur durch Trockenbauwände neu gegliedert. Die Wohnungen sind klar und funktional erschlossen, während die Eingriffe als zeitgemäße Ergänzungen ablesbar bleiben. Die historische Treppe wurde von neuzeitlichen Überformungen befreit. Nach Entfernung jüngerer Beläge konnte der ursprüngliche Bodenbelag aufgearbeitet und wieder sichtbar gemacht werden. Das zentrale Erschließungselement entfaltet dadurch erneut seine materialprägende Wirkung.

Sämtliche Decken wurden brandschutztechnisch ertüchtigt. Erhaltene Dielenbretter finden in der Dachgeschosswohnung als sichtbare Untersicht der Zwischendecke eine neue Verwendung. Sie verbinden die Geschichte des Hauses mit der heutigen Nutzung.

So ist das ehemalige Bürgerhaus in der Straubinger Innenstadt nicht nur instandgesetzt, sondern in eine hochwertige, zukunftsfähige Wohnnutzung überführt. Außerdem zeigt das Vorhaben beispielhaft, wie innerstädtische Wohnraumschaffung innerhalb eines Bestandes funktionieren kann, ohne Flächenversiegelungen zu generieren.

Die Balance aus respektvoller Restaurierung und klar gesetzten zeitgenössischen Eingriffen lässt die Geschichte des Hauses spürbar werden, ohne den heutigen Wohnkomfort einzuschränken. Das Ergebnis ist ein lebendiges, architektonisch vielschichtiges Gebäude, das die Identität des Stadtbilds bewahrt.

Zurück