Winterfeld
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Ein Gästehaus im Bayerwald

Planung/Bauleitung Lph 1-8: fabi architekten bda, Regensburg
Mitarbeiter: Petra Beer, Hanna Markgraf, Jonas Icsezer
Statik: IB Orthuber, Regensburg
Beleuchtungskonzept: Licht-Freude, Laura Amberger, Viechtach
Innenarchitektur: fabi architeketn bda, Regensburg
Fotokunst: Evi Lemberger, Lam
Projektfotos: Herbert Stolz, Regensburg
Haustechnik: Holzpellettsanlage, partiell dezentrale Lüftung mit zusätzl. Fensterfalzlüftung
Energiestandard: KfW 70 – Energieeffizienzprogramm
Planungszeit: 07. 2018 - 03. 2019
Abbrucharbeiten: 11. 2018 – 01. 2019
Bauzeit: 01. 2019 – 01. 2020
Nutzfläche: 600 qm
Umbau- u. Sanierungskosten(300/400): ca. 1.110.000,00 €

Das sehr in die Jahre gekommenes Gästehaus “Haus Erma“ Baujahr 1965 sollte gestalterisch attraktiv, nachhaltig , modern und wettbewerbsfähig in die Gegenwart und weiter in die Zukunft gebracht werden. Es ist für uns ein Beispielprojekt für viele leer stehende Gebäude im bayerischen Wald mit ähnlichen bauzeitlichen Strukturen, zeigt eine Alternative zum Abriss auf und geht ressourcenschonend mit Platz und Entsorgungsproblematiken um.

Aus Wirtschaftlichkeits- und Betreibergründen wurde die Rohbaugrundstruktur im Bereich der Außenwände nicht verändert und auch von einer Gebäudeerweiterung abgesehen. In das innere Raumgefüge wurde jedoch stark eingegriffen, so dass die bestehende unschöne Innenflursituation aufgehoben werden konnte und insg. 10 zeitgemäße Gästezimmer, sowie eine große Lounge im EG und ein kleiner Wellnessbereich im UG entstehen konnten. Hierfür wurden grundlegende Eingriffe in die Gebäudestatik vorgenommen. Tragende Trennwände wurden durch Stahlträger ersetzt, die Fensteröffnungen um den Brüstungsbereich vergrößert. Die Räume werden so luftiger, heller, moderner und schlichter.

Eine neue Fassadensprache soll dem Gast ein erstes visuelles Konzept vermitteln, welches man im gesamten Haus erleben kann. Der Gestaltausdruck des Hauses wurde bewusst abgewandt von der aktuellen im Bayerwald typischen klischeehaften „Holztümelei“ und hin zu einer neu formulierten Ästhetik entwickelt, welche der Vielschichtigkeit der Region entsprechend ausformuliert wurde. Die Mischung aus kühlen, industriellen Elementen (Stahlträger, schwarze Heizkörper, schwarze Vinylböden, Rohstahlpodeste und Stahlgeländer in verzinkter Optik ) und warmen, stark opaken und texturierten Oberflächen ( geölte Seekiefer, Stoffe aus Samt, Filz und Leder, Tapeten) verleiht den Räumen eine selbstverständliche Gemütlichkeit. Alle Materialien wurden im Hinblick auf Robustheit und Langlebigkeit ausgewählt. Innen- und Außenkonzept des Hauses sind hierbei kohärent aufeinander abgestimmt. Durch alle Räume zieht sich ein Farbkonzept welches naturnahe, warme Farben (Grün, Braun, Dunkelgrau) in Kontrast zu einem sehr hellen Grau als Basis setzt. Abgerundet wird das visuelle Konzept durch die künstlerische Arbeit der heimischen Fotokünstlerin Evi Lemberger, welche Elemente der landschaftichen Umgebung des Ortes im Studio isoliert, entfremdet und dabei die Tonalität der Architektur aufnimmt.

Wesentliche Raumkomponenten sind:

Lounge im Erdgeschoss

Ein offenes Lobbykonzept mit Platz für Empfang, Kommunikation und Entspannung ist wichtiger Bestandteil und Ausdruck heutiger, moderner Gastlichkeit und soll neue, sportliche und ästhetisch anspruchsvolle Zielgruppen ansprechen. Frei bewegliche Tische und bequeme Sitzmöbel sollen flexibel Platz für rund 30 Personen bieten. Der gesamte Raum mit viel Tageslicht hat einen Zugang auf die Terrasse als Freibereich mit Ausblick über Bodenmais.

Offene Küche Erdgeschoss

Dieser Bereich sollte besonders vielseitig verwendet werden können. Der große schwarze Küchenblock sollte Rezeptionsbereich, Büffetbereich, Vorbereitungsfläche und Bartresen sein. Die Rückfront verfügt über Herd, Backofen, Spülbecken, Kühlschrank, und Stauraum für Geschirr, Tischwäsche etc. Direkt dahinter schließt eine kleine geschlossene Spülküche an. Die Zertifizierung des Hauses wurde bewusst im Segment Pension eingeordnet um mehr Flexibilität gegenüber den Auflagen eines Hotels- u. Restaurantbetriebes zu haben. Eine „Honesty-Bar“ nahe dem dem Eingangsbereich rundet das Angebot ab und erzeugt Wohnzimmercharakter.

Gästezimmer Erdgeschoss und Obergeschoss

Es wurden 3 verschiedene Zimmerkategorien zwischen 18 und 35 qm geschaffen um ein entsprechend unterschiedliches Nutzerangebot zu erhalten. Diese erhalten einen gemeinsamen Standard mit modernen Bädern, begehbaren Duschen, Sitzmöglichkeiten, großen Fenstern mit Balkonzugang, und ausreichend Ablageflächen. Außerdem sollte ein einheitliches „ Look and Feel“, angepasst an die anderen Bereiche des Hauses umgesetzt werden. Trennwände aus Holzlamellen zonieren die privaten Freibereiche und streuen das Sonnenlicht in die Räume.

Wellnessbereich mit Garten im Untergeschoss

Eine kleine Sauna mit Erlebnisdusche, Ruheraum und Teebar gehen direkt in den Garten über. Schlichte Einbauten aus schwarzem Fenix und Holz machen eine gemütliche Atmosphäre.

Betreiberwohnung im Dachgeschoss

Um Nähe zum Gast und einen maximalen und flexiblen Komfort für den Betrieb gewährleisten zu können wurde für die Gastgeber das Dachgeschoss zu einer Wohnung mit 2 Schlaf-und einem Gemeinschaftsbereich mit offener Wohnküche ausgebaut.

Raumergänzungen

Besondere Nutzräume, wie ein Ski-und Fahrradlager mit direktem Hauszugang, Motorradgarage, Lademöglichkeiten für E-Bikes oder Elektroautos ergänzen das moderne Raumangebot funktionell.

Mehr auch unter: www.winterfeld-bodenmais.de und www.evilemberger.de